Montag, 12. September 2011

Tag 24 am 12.09.2011 von Bourg-Sainte-Marie nach Montigny-Le-Roi

Um 08:00 h habe ich meine Hütte verlassen. Ich ging hinab ins Tal, zurück zum alten Bahnhof bei Hâcourt. Vom schlechten Wetter des Vortages war nur noch nasses Gras auf dem Wiesenweg übrig geblieben. Es war sonnig und es blies ein kühler Wind. Ideales Wanderwetter.



Zunächst führte der Weg wieder über schwach befahrene Landstraßen im Tal der Maas entlang. In einem kleinen Örtchen entdeckte ich eine Freiluftkegelbahn, die sich Anwohner mit einfachen Mitteln selber gebaut hatten.



Bald wechselte ich wieder auf einsame Fahrwege, die mich zum stattlichen Hofgut „Le Dardu“ führten. Bis dorthin konnte ich der Wegbeschreibung sehr gut folgen.

Ab dort kam ich jedoch erheblich vom vorgesehenen Weg ab. Mir fiel  zunächst auf, dass mir die Sonne für mehrere hundert Meter in den Rücken schien. Eigentlich war ich bislang immer mit Blickrichtung zur Sonne gelaufen. In der Folge endeten alle Fahrwege auf irgendwelchen Feldern oder Weiden. Laut Wegbeschreibung musste ich als nächstes den Ort Meuvy anlaufen.



Meuvy sollte sich durch seinen schiefen Kirchturm auszeichnen. Tatsächlich war weit und breit nur eine einzige Kirchturmspitze zu sehen. Ich orientierte mich daran und fand meinen Weg danach schnell wieder. Es ging im Anschluss für mehrere Kilometer durch sattgrüne Felder bis ich dann endlich Meuvy mit seiner bemerkenswert krummen Kirchturmspitze erreichte.
 


Hinter Meuvy folgte der Weg dann wieder kleinen Landstraßen. In der Mittagssonne wurde es zunehmend wärmer, zumal die kühle Brise nach und nach eingeschlafen war. So erreichte ich den Ort Bassoncourt, den ich gut in Erinnerung behalten werde. Hier gab es, in dem 10 Häuserdörfchen, eine kleine Gaststätte. Besser gesagt, ein Haus mit Schankgenehmigung. Vor dem Haus standen zwei Tische mit Stühlen. Betrat man den Hauszugang stand man unvermittelt in einer Wohnküche. Die Hausfrau war am Tisch mit Essensvorbereitungen beschäftigt. Auf meine Frage erhielt ich eine Flasche Bier aus dem Küchenkühlschrank, die ich vor dem Haus genoss. In der kurzen Pause trennte ich auch die langen Beine meiner Wanderhose ab und ging danach in Shorts weiter.



Nach meiner kurzen Verschnaufpause folgte ich wieder kleinen, diesmal geschwungenen Landstraßen in Richtung Montigny-Le-Roi. Schon bald war in der Ferne der Hügel zu erkennen, auf dem die Stadt liegt. Allerdings sollte ich noch geraume Zeit dorthin unterwegs sein.




In Montigny-Le-Roi angekommen begab ich mich zunächst in das Rathaus, um mir hier einen Stempel für den Pilgerpass einzuholen. Der Weg dorthin führte auf den letzten paar hundert Metern immer bergauf, so dass mir ganz schön warm wurde. Allerdings gab es vom Platz vor dem Rathaus auch einen schönen Blich in das weite Tal der Maas. 
 


Der Zeltplatz von Montigny-Le-Roi liegt ganz oben auf der Bergkuppe und ist komplett von Wald umgeben. Hier hat in der Vergangenheit einmal eine mächtige Burg gestanden, deren Ausmaße man heute nur noch anhand der  Wegführungen und der unterschiedlichen Flächenplateaus im Wald erahnen kann. Mein Zelt baute ich windgeschützt am Rande des Waldes auf.



In den Abendstunden ging ich noch eine Runde durch den kleinen Ort. Leider setzte dann Nieselregen ein, so dass ich mein Abendbrot im Zelt zu mir nehmen musste.



Sonntag, 11. September 2011

Tag 23 am 11.09.2011 von Neufchâteau nach Bourg-Sainte-Marie

Der Zeltabbau ging zügig von statten. Heute war Sonntag und ich musste zunächst einmal in den Supermarkt, um mir neue Batterien zu kaufen. Nachdem ich die Kamera gewässert hatte, funktionierte diese nur noch schwergängig und schien die Batterien förmlich zu verschlingen. So kam ich erst um 09:15 h auf den Weg.


Hierbei sollte ich jedoch besser sagen „auf die Straße“. Bis zur Ortschaft Pompierre geht es, ohne jegliche Alternative und immer geradeaus, 10 Kilometer entlang der D1 die über die Römerstraße gebaut wurde.


Dieses sollte mit Sicherheit der langweiligste Streckenabschnitt meiner jetzigen Wanderwoche werden.


Nach 10 Kilometern gelangt man an eine Kurve. Hier steht die alte Kapelle „Notre Dame du Pilier de Saragosse“. Sie erinnert daran, dass der hl. Jakobus in Saragossa eine Marienerscheinung hatte. Insofern hat diese kleine Kapelle für Jakobspilger eine besondere Bedeutung. Sie bietet den Pilgern mit ihren stabilen Mauern und dem großzügigen Vordach seit Jahrhunderten Schutz und Unterschlupf.


Im Laufe des Nachmittags zog es sich immer mehr zu. Ich folgte mehren schwach befahrenen Landstraßen nach Sommerécourt und Vaudrecourt. Kurz vor Nijon fing es heftig zu regnen an. Unter dem Schutz eines großen Kastanienbaumes zog ich mir mein Regenzeug über. Dieses war ein weiser Entschluss. Schon bald darauf kam ein gewaltiges Gewitter auf, welches mich bis hinter Graffigny-Chemin begleitete. Der Weg führte abermals über die alte Römerstraße, die hier aber nur noch in Form von Feldwegen erhalten ist.

Hinter Graffigny-Chemin führte ein Teerweg über die Höhen der  Hügelkette, immer begleitet von einer Telefonleitung mit Holzmasten. Das Gewitter tobte noch immer. Ich hoffte insgeheim, dass ein Blitz tatsächlich immer an der höchsten Stelle (also in die Leitung) einschlagen würde.

In der Folge verzichtete ich auf weitere Fotos. Ich hatte meine Kamera in einer Plastiktüte im Rucksack verstaut, um sich nicht abermals zu wässern. Da es in Graffigny-Chemin keine Unterkünfte gibt, ging ich weiter bis nach Hâcourt. Hier überquerte ich erstmals die „Meuse“ also die Maas, einem träge dahin fließendem Gewässer.
Von dort führt ein zwei Kilometer langer Wiesenweg hinauf nach Bourg-Sainte-Marie.

Hier gab es einen Zeltplatz, auf dem auch kleine Holzbungalows vermietet werden. Da ich total durchnässt war, ging ich zu diesem Campingplatz und hoffte auf eine solche Holzhütte.


Ich traf dort auf einen freundlichen, Englisch sprechenden Angestellten. Schnell war klar, dass die Zweipersonenhütten für 35 Euro belegt waren. Er kam mit einem überwältigenden Angebot. Er hatte eine Dreipersonenhütte, bei der zwei Betten aus der Vornacht noch nicht wieder bezogen wurden. Das dritte, frische Bett wollte er mir samt Dreipersonenhütte für 25 Euro die Nacht überlassen. Da konnte ich nicht nein sagen.
So konnte ich in dieser Nacht trocken und mit einigem Luxus wie Herd, Kühlschrank, Microwelle, Fernsehen usw. übernachten. Gebraucht habe ich, außer einer warmen Dusche, nichts davon. Halt, so ganz stimmt das nicht, ich habe die Heizung angeschmissen, um meine nassen Klamotten darauf zu trocknen.
Danach habe ich mein Abendessen bestehend aus kleinen Salamiwürstchen,  Käsestücken, Crackern und Rotwein zu mir genommen, die ich zuvor als Sonntagsnotration den ganzen Tag mit mir herum getragen hatte.


 In den Abendstunden zog die Gewitterfront in Richtung Osten ab und es kam sogar noch die Sonne heraus. In der Nacht hat es allerdings weiterhin kräftig geregnet.







Samstag, 10. September 2011

Tag 22 am 10.09.2011 von Autreville nach Neufchâteau

Ich hatte nach dem Abendessen noch eine Idee, die ich sofort in die Tat umsetzte.


In meinem Zimmer gab es eine Schreibtischlampe. Diese legte ich flach auf die Seite, knipste sie an und stellte meine Digitalkamera nur wenige Zentimeter vor die Glühbirne. Zuvor hatte ich alle Schächte und Klappen an der Kamera geöffnet. Wann immer ich des Nachts wach wurde, habe ich die Position der Kamera geändert, um sie so rundum einmal richtig durchzuheizen.

Es war eine gute Idee, mit neuen Batterien versehen nahm die Kamera, wenn auch widerwillig ihren Dienst wieder auf.


Heute war ein wunderschöner Tag und keine Wolke war am Himmel zu sehen. Ich nahm ein reichhaltiges Frühstück zu mir, zu dem es sogar ein Stückchen Streichkäse gab. Danach machte ich mich gegen 08.45 h fertig für den Aufbruch.

Schon bald lag das kleine Dörfchen Autreville hinter mir und ich wanderte wieder durch riesige Feld- und Ackerflächen über einen schmalen geteerten Fahrweg in Richtung alte Römerstraße.


Nach etwa zwei Kilometern hatte ich die alte Römertrasse erreicht. Wie schon am Vortag ging es Kilometer um Kilometer immer geradeaus. Zur rechten Hand, in etwa einem Kilometer Entfernung die Hügelkette, zur linken Hand leicht gewellte aber insgesamt eher flache Agrarflächen. Bis St. Elophe brauchte ich nicht einmal Ansatzweise zu befürchten, dass ich mich verlaufen könnte.



Nach Stunden auf dem Schotterweg erreichte ich dann das Örtchen St. Elophe mit seiner alten Kirche. Hier ist schon im Mittelalter Jeanne d’Arc in den Gottesdienst gegangen, da sie unweit von hier, in Domrémy-La-Pucelle, geboren wurde.


Vom Platz vor dem Kirchenportal ergibt sich ein schöner Ausblick hinab in das Tal des „Vair“ einem Zufluss der Maas, den ich im weiteren Wegverlauf schon bald überqueren musste.


In der Tallage des„Vair“ ging es dann im Ort Soulosse-Sous-St.Elophe ein kurzes Stück entlang der stark befahrenen N 74, bevor der Weg nach links in den Ortsteil Fruze abbog. Hier ab Fruze führte der Weg zunächst für eine längere Strecke durch ein einsames Bachtal und später, immer entlang des Baches, durch ein großes Waldgebiet.


So erreichte ich den Ort Rollainville, der sich im oberen Bereich des Tales befindet. Hier schien die Zeit irgendwie stehen geblieben zu sein. Im Ortskern traf ich vor einem Haus eine Anwohnerin, die mir auf meine Bitte hin die Trinkflasche mit frischem kaltem Wasser auffüllte
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Etwa eine halbe Stunde später hatte ich den Hügelkamm überquert. Über eine einsame Anliegerstraße ging es dann auch schon hinab nach Neufchâteau.

In Neufchâteau angekommen begab ich mich zunächst einmal zur Touristeninformation.  Hier ließ ich mir den Weg zum Campingplatz anhand eines Stadtplanes erklären. Die Angestellte gab sich in Anbetracht der Sprachschwierigkeiten auch alle Mühe, mir den Weg zu erläutern. Ganz nebenbei bekam ich hier auch einen Stempel.


Danach begab ich mich zunächst auf den Campingplatz. Der war geöffnet, der Empfang aber nicht besetzt. Dafür hing ein mehrsprachiges Schild aus, dass man seinen Stellplatz frei wählen könne. In den Abendstunden sei das Büro dann besetzt. Ich war erstaunt. Ich hatte den gesamten Campingplatz für mich alleine. Also suchte ich mir einen schönen Platz unter einem Baum aus. Hier lagen auch ein paar Findlinge als Sitzgelegenheit in der Nähe. Die Sanitäranlagen waren blitzsauber. Erst in den späteren Abendstunden kam das eine oder andere Wohnmobil auf dem Campingplatz dazu.


Nach dem Zeltaufbau begab ich mich entlang des Flusses„Mouzon“ in die Innenstadt von Neufchâteau. Hier gab es zwei belebte Einkaufsstraßen. Ich setzte mich in ein Straßencafé, trank zwei erfrischende Biere vom Fass und schaute dem quirligen Treiben zu. Irgendwie hatte das Straßengeschehen schon ein wenig südländisches Flair. Danach machte ich einen kleinen Stadtrundgang und besorgte mir in einem Supermarkt die Zutaten für ein Abendbrot.

















Freitag, 9. September 2011

Tag 21 am 09.09.2011 von Toul nach Autreville

Ich habe im Hotel geschlafen wie ein Stein. Pünktlich um 07:00 h war ich beim Frühstück. Bereits gegen 07:30h machte ich mich auf meinen heutigen Weg.


Es regnete leicht aber beständig und es war kühl. Zunächst habe ich mir nur meine Regenjacke übergezogen. Ich ging zügig stadtauswärts, um mich warm zu halten. Zunächst hatte ich das falsche Stadttor in der Festungsmauer erwischt. So musste ich einen viertel Kreis um den Stadtkern herum zurücklegen, um an die richtige Ausfallstraße zu gelangen. Danach ging es über eine leicht ansteigende Straße aus Toul hinaus.
                                             

Die Route führte an einem riesigen Kasernengelände des französischen Militärs entlang. Gelegentliche Einblicke auf das Militärareal gaben den Blick auf hunderte schwerer Lkw und Satteltieflader frei. Offensichtlich war hier eine Transporteinheit stationiert. Im Anschluss an die Kaserne schloss sich ein großer Soldatenfriedhof an. Auf dem gepflegten Friedhof standen unzählige Grabkreuze die ausnahmslos geometrisch exakt ausgerichtet waren.


In Höhe des Friedhofes musste ich nach links in eine Seitenstraße einbiegen. Diese führte direkt in das kleine Weinbaugebiet Cote-de-Toul. Hier werden aus roten Trauben „Gris“ Weine, also graue Weine, gekeltert. In Wirklichkeit erinnern diese aber eher an Rosé Weine.

Das Wetter wurde immer regnerischer und schon bald zog ich mir auch die Regenhose über. Es war ein dichter, feiner Sprühregen der von allen Seiten zu kommen schien. Bald erreichte ich den Ort Domgermain und damit die Straße D1. Sie folgt der alten Römertrasse in Richtung Süden. Die D1 verläuft ständig auf halber Weinberghöhe und gibt auf der linken Seite einen Blick in das Moseltal, welches hier eher als Ebene beschrieben werden kann, frei.


So windet sich die D1 als „Route du Vin et de la Mirabelle“ an dem Höhenzug entlang. Tatsächlich führt sie an zahlreichen kleinen Weinfeldern, Mirabellenplantagen und Streuobstwiesen vorbei. Ich kann behaupten, dass ich am heutigen Tag einen wahren Obsttag hatte. Alle paar hundert Meter pflückte ich mir eine kleine Weintraube, einen bissfesten Apfel, eine aromatische Birne oder eine Handvoll Pflaumen, die allerdings schon deutlich überreif waren. Auf die Ernte von Brombeeren habe ich verzichtet, da Dornensträucher und dünne Regenbekleidung nicht gut zusammen passen.
                               
Das obige Bild war auch das letzte Bild, was ich mit der Digitalkamera am heutigen geschossen habe, danach ist sie im wahrsten Sinne des Wortes „abgesoffen“ und hat ihren Dienst quittiert. Jetzt hatte ich nur noch die schwache Kamera des Handys zur Verfügung. Innerlich habe ich mich schon darauf eingestellt, im nächst besten Supermarkt eine neue, billige Digitalkamera kaufen zu müssen.

 

 
So trottete ich schlecht gelaunt meinen Weg an so klangvollen Dörfern wie Charmes-La-Cotê, Mont-Le-Vignoble und Blénod-Les-Toul entlang. In Bulligny war zumindest das Bürgermeisteramt geöffnet  und ich konnte mir dort einen Stempel abholen. 


Hinter Bulligny bog der Weg nach links ab und ich folgte der Straße bis hinter Bagneux. Dort kreuzte die Straße auf einer Hügelkuppe die alte Römerstraße, der ich nun nach rechts folgen musste. Ab dort ging es nun für die nächsten Kilometer immer geradeaus. Der Dauerregen hatte mittlerweile aufgehört. Dennoch musste ich das Regenzeug anbehalten, da immer wieder kleinere Schauer niedergingen. Die Römerstrasse verläuft etwa einen Kilometer vor der Hügelkette, an der ich zuvor entlang gewandert war. So konnte ich schon immer im Vorfeld gegen die dunklen Hügel sehen, wann der nächste Schauer in Form eines grauen Vorhangs auf mich zuzog.


Unter einer Hochspannungsleitung musste ich dann den alten Römerweg verlassen, um auf einer kleinen Fahrstraße nach Autreville zu gelangen. Hier begab ich mich zur einzigen Unterkunftsmöglichkeit, das „Le Relais Rose“. Ich klingelte die Betreiberin, Mme. Loeffler, heraus und fragte nach einem Bett für die Nacht. Sie gab mir ihr preisgünstigstes Zimmer.


Da ich am Abend noch etwas Essen wollte, versprach sie mir, ein spezielles Pilgermenu für 15 Euro zu kochen. Dieses Menu konnte sich sehen lassen. Es gab als Vorspeise Spalten von Honigmelonen, danach einen grünen Salat mit Cherrytomaten sowie Streifen von verschiedenen geräucherten Schinken und einem Stückchen gebratener Kaninchenleber, als Hauptgang ein Steak mit Kartoffelgratin und Wurzelgemüse und als Nachspeise ein Stück Apfelkuchen mit einer Kugel Vanilleeis. Ein Glas Rotwein gab es gratis dazu. Andere Hotelgäste mussten für ihr Abendmenu mindestens 25 Euro zahlen, wobei diese sich nur im Hauptgang (nicht unbedingt besser) unterschieden und die Getränke gesondert gezahlt werden mussten. So fand der verregnete Tag noch ein zufriedenstellendes Ende.


Donnerstag, 8. September 2011

Tag 20 am 08.09.2011 Reise Solingen / Liverdun zu Fuß nach Toul

Die Erholung aus meinem fünfwöchigen Urlaub im Frühsommer war inzwischen gänzlich aufgebraucht. Insbesondere die letzten drei / vier Wochen im Job waren extrem aufreibend, zu dem fielen Überstunden zu Haufe an. Mein Gleitzeitkonto war übervoll und ich musste dringend Überstunden abbauen.

Von der Idee noch einmal für eine Woche meinen Weg fortzusetzen, war meine Ehefrau gar nicht angetan. Letztendlich stimmte sie aber zu. Über Tage und Wochen beobachtete ich im Internet die Prognosen für das Frankreichwetter und endlich sollte eine Schönwetterphase kommen.
Es waren genug Kollegen im Dienst, so dass ich mir auch kurzfristig auf Überstundenbasis Dienstfrei nehmen konnte. Schnell noch ein paar Besorgungen gemacht und den Rucksack gepackt.


Dann ging es mit dem Auto bis zum Bahnhof Liverdun. Hier hatte ich im Frühsommer meinen Weg abgebrochen, um mit dem Zug nach Toul zu fahren. Ich wollte mir gegenüber das selbst gegebene Versprechen einhalten, und meinen Weg hier wieder aufnehmen.  



Schon bald lag der kleine Ort Liverdun hinter mir. Entlang einer kaum befahrenen Landstraße ging ich in Richtung Toul. Es war so um die 20 Grad warm, der Himmel war bedeckt aber es war trocken. Eigentlich gutes Wetter zum Wandern.


Der Weg führte entlang der Mosel und vorbei an einer großen Staustufe. Nach etwa 1 ½ Stunden legte ich eine erste kurze Rast ein, um ein Schluck Wasser zu trinken.


Nach einiger Zeit führte die Straße um eine teichartige Ausbuchtung der Mosel herum. Danach stieg sie nach Villey-Saint-Etienne hin an. Ich kam ganz schön ins Pusten. Am Ortseingang von Villey-Saint-Etienne gab es einen tollen Ausblick hinab ins Moseltal.

Schon bald war der kleine Ort Villey-Saint-Etienne durchquert und es ging wieder hinab ins Moseltal. Ganz am Horizont musste Toul liegen.


Wieder im Tal angekommen, erschlossen sich mehrere Routen. Zum einen konnte man entlang des Moselradweges in Richtung Toul gehen. Ich entschied mich für eine Strecke rechts entlang des Moselkanals. Fast ausschließlich geradeaus führt dieser Kanal direkt in Richtung Toul.


Nachdem ich etwa sechs Kilometer dem Moselkanal gefolgt war, überquerte ich einen abzweigenden Kanal, den „Canal de la Marne au Rhin“. Bald darauf erreichte ich auch die Stadtgrenze von Toul und sah die dortige Kathedrale erstmals aus einer ganz neuen Perspektive. Zunächst ging ich Informationsbüro, um mir erneut einen Stempel abzuholen. Als Hotel wurde mir das ABC-Hotel empfohlen. Es liegt an dem Brunnenplatz genau gegenüber dem Hotel, in dem ich bei meiner Frühsommertour übernachtet hatte. 

 Auf dem Platz habe ich mir ein erfrischendes Bier getrunken. Hierbei kam ich mit einem Ehepaar aus den Niederlanden ins Gespräch, die auf der Durchreise zur  Cote Azur waren. Im Anschluss besorgte ich mir ein paar Zutaten für ein kleines Abendbrot und zog mich auf mein Zimmer zurück, welches dieses Mal zu den weniger schönen Hinterhöfen des Hauses lag.



Freitag, 10. Juni 2011

Reisetag am 10.06.2011 von Toul nach Solingen

Obwohl ich mich in meinem Zimmer am quirligen Hauptplatz von Toul auf eine eher unruhige Nacht eingestellt hatte, wurde ich überrascht. Gegen 22:00h wurde der Brunnen abgeschaltet. Der rege Fahrverkehr am Stadtplatz  kam ebenfalls nahezu völlig zum Erliegen, da der Durchgangsverkehr außerhalb der Stadtmauern an der Altstadt vorbeiführt. Es war somit erstaunlich ruhig und ich hatte einen erholsamen Schlaf.


Bereits um kurz vor 06:40h verließ ich das Hotel und ging in Richtung Bahnhof. Hierbei kam ich an einem kleinem Bistro vorbei, welches in der frühen Morgenstunde schon geöffnet hatte. Mit Blick auf eine kleine Hafenanlage nahm ich, ein wenig traurig über die bevorstehende Rückreise, ein letztes Croissant und einen Café noir zu mir.


Danach begab ich mich zielstrebig zum "Gare de Toul". Ab 07:50h sollte meine Rückreise beginnen. Um die Rückfahrt mit der Eisenbahn kostengünstig zu gestalten, habe ich mich für die Nutzung von Nahverkehrszügen entschlossen. Diese fuhren von Toul nach Nancy, von Nacy nach Metz, von Metz nach Forbach und von dort nach Saarbrücken. In den genannten Städten musste ich jeweils Umsteigen, was sich aber völlig problemlos gestaltete. Für die Strecke Toul - Saarbrücken brauchte ich so nicht einmal 16 Euro zahlen.


Die sechs Kilometer von Forbach nach Saarbrücken wird mit einer Art Zwitterzug bewältigt, der sowohl als Zug der DB als auch der SNCF / TER gekennzeichnet ist. Von Saarbrücken fuhr ich dann für weitere 15 Euro mit einem Nahverkehrszug durch das Saartal nach Trier.


In Trier hatte ich gut zwei Stunden Aufenthalt. Ich schloss meinen Rucksack am Bahnhof in ein Schließfach und ging  balastfrei in die Innenstadt. Da es mittlerweile Mittagszeit war, bestellte ich mir ein leckeres Mittagessen und ein erfrischens Bit. Kein Zweifel, ich war wieder in Deutschland angekommen. Nach dem Zwischenstopp ging es zurück zum Bahnhof und von dort mit dem IC nach Köln. Die Rückfahrkarte Trier - Solingen habe ich drei Monate zuvor im Internet für sagenhafte 19 Euro erworben.

Erneut führte mich die Zugfahrt durch das idyllische Moseltal. Ich hatte auf der Fahrt einen netten Sitznachbarn, einen Studenten aus Münster, mit dem man sich gut unterhalten konnte. Die Fahrt verging wie im Flug. Leider hat irgend ein netter Fahrgast aus Spaß etwa 200 Meter vor Erreichen des HBF Köln die Notbremse gezogen. So stand der IC in Sichtweite des HBF für etwa 40 Minuten auf der Stelle. Von Köln aus nutzte ich dann eine Regionalbahn und erreichte um 18:45h den HBF Solingen.







Donnerstag, 9. Juni 2011

Tag 19 am 09.06.2011 von Dieulouard nach Liverdun (per Bahn nach Toul)

Mein Zimmer in Dieulouard war sehr sehr laut, ich fand kaum Schlaf. Über die Durchgangsstraße donnerte des Nachts so mancher Lkw und immer wieder drehte jemand auf einem extrem lauten Moped seine Runden. Ich bin um kurz nach 07:00h aufgestanden, habe meinen Rucksack gepackt und mich zum Frühstück begeben.


Mein Blick fiel aber zuvor aus dem Fenster. Die morgendliche Sonne beleuchtete das Stadtpanorama vielversprechend. Es versprach, ein schöner Tag zu werden. Im Frühstücksraum traf ich gerade noch auf Angelika und Peter, die bereits aufbrachen. Auf ihrer Herbergsquittung hatten sie (für den Fall, dass wir uns nicht mehr begegnen würden) einen lieben Gruß hinterlassen.


Schnell führte der Weg aus Dieulouard hinaus. Erneut ging es einsam durch die Natur und Felder nach Saint Georges und Seizerais. Hier in Seizerais wich ich, nach etwa zwei Gehstunden, vom beschriebenen Weg ab. Ich hatte mich entschlossen bis nach Liverdun zu Laufen. Dort gab es eine Eisenbahnstation. Ich wollte durch die Bahnfahrt von dort etwa drei bis vier Stunden Gehzeit einsparen, um noch ein wenig Zeit für die Stadtbesichtigung Touls zu haben.


Von Seizerais aus lief ich gut 1,5 Stunden bis Liverdun. Nach Passage der Randbesiedlung gelangte ich in die hochgelegene Altstadt von Liverdun, von wo sich ein schöner Blick hinab auf die Mosel bot. Durch eine Altstadtgasse und über eine moderne Treppe ging es dann hinab in den tiefer gelegenen Stadtteil.


 Am Bahnhof von Liverdun rollte ich symbolisch meinen Hut zusammen und verstaute ihn im Rucksack. Hier sollte mein einwöchiger Pilgerweg beendet sein, von nun an war ich also als Rucksacktourist unterwegs. Im Jahr 2012 werde ich wohl meinen Pilgerweg  wieder am Bahnhof Liverdun aufnehmen. Leider musste ich am Bahnhof nahezu zwei Stunden auf einen Zug nach Toul warten. Mir kam eine kleine Rechnung in den Sinn. Stark 1,5 Stunden für den Weg nach Liverdun, 2 Stunden Wartezeit am Bahnhof. Bei durchschnittlich 4 km/h Gehgeschwindigkeit entspräche dies einer Strecke von 14 Kilometern. Etwa zwei Stunden Gehzeit mehr, und ich wäre auch zu Fuß in Toul angekommen.


Mit dem Zug in Toul angekommen, besorgte ich mir am Fahrkartenschalter erst einmal die erforderlichen Rückfahrkarten nach Saarbrücken. Da dort Englisch gesprochen wurde, gestaltete sich der Fahrkartenkauf unerwartet problemlos. Danach suchte ich mir ein Zimmer und fand es im "Hotel Central", direkt am Hauptplatz der Stadt gelegen. Es handelt sich hierbei um einen kreisrunden Platz mit Brunnenanlage, der von zwei Straßenzügen rechtwinklig gekreuzt wird. Zwischen den Straßeneinmündungen liegen vier baugleiche große Häuser, die sich bogenförmig um den Platz schmiegen. 


Nach einer kurzen Dusche ging ich in die Stadt. Zunächst zur Kathedrale, die mitten in einem Wohngebiet liegt. Einen schön gestalteten Platz an der Kathedrale suchte ich vergebens. Hier bestätigte sich auch meine kleine Rechnung vom Bahnhof Liverdun. Kaum war ich ander Kathedrale angekommen, liefen mir Peter und Angelika über den Weg. Sie waren die Strecke von Dieulouard bis Toul gelaufen und berichteten mir von der Schönheit am Weg entlang der Mosel. Insgeheim habe ich mich ein wenig über mich selber geärgert. Um so mehr, weil es in Toul nicht sonderlich viel zu sehen gab. Die Stadt ist lange nicht so schön wie Metz und meine Erwartungshaltung von Toul wurde ganz schön enttäuscht.


In den Nachmittagsstunden kühlte es dann mächtig ab. Letztendlich setzte ein feiner Nieselregen ein. Ich besorgte mir ein Fläschen Rotwein, ein dünnes Baguette und ein Stück Käse und zog mich auf mein Zimmer zurück. Auf der breiten Fensterbank bereitete ich mir eine Zwischenmahlzeit und schaute während des Regenschauers auf den Stadtplatz hinunter. Hierbei ließ ich die letzte Woche meiner Wanderung noch einmal Revue passieren. 


Nach knapp zwei Stunden hatte sich das Wetter beruhigt. Ich zog mir eine Fleecejacke über und begab mich erneut in die Stadt. Der Stadtkern von Toul ist von einer Festungsmauer aus dem Jahr 18?? umgeben. Nur vier Stadtore führen in die Altstadt hinein. Von außerhalb der Stadtmauer kann man die Kathedrale auch in ihrer ganzen Größe sehen. Wie schon zuvor gesagt, steht sie mitten in einer Wohnbebauung, so dass aus der Nähe kaum ein kompletter Blick auf die Gesamtheit des Bauwerks möglich ist.


Die Abendstunden verbrachte ich im Straßencafé des "Hotel Central" und schaute dem Treiben im Kreisverkehr zu. Abermals liefen mir Peter und Angelika übr den Weg. Sie setzten sich für eine Stunde zu mir und wir hatten ein letztes schönes und unterhaltsames Gespräch. Gegen 22:00h wurde es unangenehm kühl. Ich ging auf mein Zimmer und fiel bald darauf in einen tiefen, festen Schlaf.

Im Grunde war heute der faulste Tag meiner Pilgerwoche. Nahezu zwei Stunden saß ich in der Sonne am Bahnsteig von Liverdun. Eine ähnliche Zeit verbrachte ich während des Regenschauers auf meinem Zimmer. Rückblickend hätte ich diese Zeit lieber genutzt, mir Toul zu erwandern.
Andererseits hatte ich während der ungewollten Wartezeiten die Ruhe, mir nochmals die schönsten Wegpassagen und Erlebnisse in Erinnerung zu rufen.