Samstag, 4. Juni 2011

Tag 14 am 04.06.2011 von Merzkirchen nach Sierck-les-Bains

Es war eine sehr windige Nacht und die Plane meines Zeltes knatterte so laut im Wind, so dass ich nur mit Ohropax in den Ohren meinen Schlaf fand. Um kurz vor 08:00h gab es, gemeinsam mit der franzöischen Jugendgruppe, ein reichhaltiges Frühstück. Danach machte ich mich auf den Weg. Der starke Wind war über Nacht eingeschlafen und es schien ein sonniger Tag zu werden.


Wieder ging es für eine lange Zeit über einen Bergrücken. In der Ferne waren wieder die Kühltürme von Cattenom zu sehen. Auf Anraten Mary's wich ich in der Höhe von Sinz vom ausgeschilderten Weg ab, da dieser im weiteren Verlauf durch Neueinteilung der riesigen Feldflächen total verholzt sein sollte. Leider musste ich hierzu ins Tal. Dies hatte zur Folge, dass ich nach Tettingen-Butzdorf wieder auf den Bergrücken hinaufsteigen musste, um nach Borg zu gelangen.


Ab Borg führte der Weg dann weiter über die Höhen, um oberhalb von Perl langsam abzusteigen. Ich gelangte an einen Weinberg. Von hier bot sich ein schöner Ausblick auf das Dreiländereck Deutschland / Luxemburg / Frankreich. Durch den Weinberg erfolgte der Abstieg nach Perl. In einem ALDI-Markt versorgte ich mich mit einer Essensnotration für das bevorstehende Wochenende und mit frischem Wasser.


Nach einer kurzen Strecke durch Perl ging es wieder bergan und ein neuer Weinberg säumte meinen Weg. Jenseits des Anbaugebietes war schon der französische Ort Apach zu sehen.


Der Fahrweg oberhalb des Weinberges verengte sich immer mehr zu einem Trampelpfad durch dichtes Buschwerk. Stetig bergab laufend erreichte ich die Ortsgrenze von Apach. Ich war überrascht, innerhalb eines Kilometers durch den Weinberg nicht nur die Staats-, sondern auch die Sprachgrenze überschritten zu haben. Während in Perl noch Deutsch mit saarländischen Dialekt gesprochen wurde, muss man in Apach bereits gnadenlos und ohne Ausnahme mit der französischen Sprache zurecht kommen. Irgendwie eine einschneidende Erfahrung! Ich war gespannt darauf, was ich mit meinem französischen Grundvokabular von höchstens 50 Worten erreichen würde.


Ab Apach ging es dann wieder entlang des Moselradweges, auf direktem Wege, nach Sierck-les-Bains. Hier durchquerte ich zunächst die ganze Stadt, um an den örtlichen Campingplatz zu gelangen. Es war ein kleiner, sauberer und preisgünstiger Platz. Die Dame am Empfang des Zeltplatzes hat mein Minimalfranzösisch verstanden und erkannt, dass ich nach einen Zeltplatz (wonach auch sonst) fragte. Im Gegenzug habe ich verstanden, dass die Benutzung der Duschen "gratuit" also umsonst war. Den Stellplatz meines Zeltes konnte ich frei wählen. Also baute ich es nahe dem Moselufer auf. Eigentlich wollte ich noch auf einen kleinen Spaziergang in den Ort, nicht zuletzt, um dort auch etwas zu essen. Es kam jedoch bald eine frische Brise auf, der Himmel bewölkte sich und aus der Ferne war bereits das Grollen eines Gewitters zu hören.


Ich entschied mich, auf dem Zeltplatz zu bleiben. Eine gute Entscheidung. Innerhalb kürzester Zeit war das Gewitter da und ein heftiger Platzregen mit Hagelschlag ging nieder. Leider hatte es sich danach ein bischen eingeregnet. Ich blieb in meinem Zelt, welches das Gewitter als Feuertaufe mit Bravour überstanden hatte. Als Abendessen musste ich bereits jetz meinen Notvorrat angreifen. An der Rezeption des Zeltplatzes gabes zum Glück einen kleinen Kisok, an dem ich mit einen Schlummertrunk gönnte.

Auch heute war ein sonniger, schöner Tag. Fast schon zu warm zum Wandern. Die Wegstrecke war, zumindest bis Perl, durch stilisierte Muscheln oder gelbe Pfeile perfekt ausgezeichnet. Auf französischem Gebiet musste ich mich dann stark an die Wegbeschreibung des Outdoorführers halten. Dies gelang auch sehr gut, es gab aber auch nicht viele Stellen, an denen man etwas falsch machen konnte.






Freitag, 3. Juni 2011

Tag 13 am 03.06.2011 von Trier nach Merzkichen

Obwohl meine Unterkunft im Warsberger Hof ziemlich hellhörig war, habe ich sehr gut geschlafen. Ich bin zeitig aufgestanden, so dass ich schon um 07:00 h im Speisesaal saß. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Wurst und Käse zahlte ich an der Rezeption und verließ um 07:45 h meine Unterkunft.


Ich ließ die Innenstadt von Trier hinter mir und begab mich in Richtung Mosel. Bereits nach kurzer Zeit gelangte ich etwas unterhalb der alten Römerbrücke an den Fluß. Ab hier ging es immer in unmittelbarer Flußnähe entlang des Moselradweges bis nach Konz.


Hier in Konz fließt die Saar in die Mosel. Der Weg wich nun von der Mosel ab und folgte wenige hundert Meter der Saar. Bald überquerte ich diese auf einer Brücke.  Die Wegmarkierung leitete mich in ein Industrie- und Gewerbegebiet der Stadt.


Nachdem das Gewerbegebiet durchquert war, ging es endlich wieder in Grüne. Einige große Steine boten eine günstige Sitzgelegenheit für eine kurze Rast. Es war mittlerweile schon sehr warm geworden und ein kräftiges Durstgefühl musste erst einmal gestillt werden.


Nach der kurzen Rast folgte ein kilometerlanger teils geteerter, teils gesplitteter Fahrweg durch mehr oder weniger dichten Wald. Dieser Weg verlief nahezu immer geradeaus, so dass das Gefühl entstand, man käme überhaupt nicht voran. Über ihn erreichte ich das kleine Örtchen Tawern.


Nachdem ich Tawern durchquert hatte, ging es zunächst einmal gemächlich bergauf in Richtung eines Waldgebietes. Im Wald selbst wurde der Weg dann steiler und steiler und führte auf den Metzenberg, zu einer gut rekonstruierten römischen Tempelanlage. Leider hatte sich auf dem Areal eine große Hochzeitsgesellschaft samt Standesbeamten, Fotografen und Catering versammelt, so dass ich mich nur eingeschränkt umschauen konnte. In dem abgebildeten Tempel steht eine überlebensgroße Merkurstatue und blickt hinab ins Moseltal bis nach Trier. Ein schöner Platz.


Ab der Tempelanlage ging es nur noch wenig bergauf. Der Weg verließ den Wald und führte von dort an über einen Bergrücken in Richtung Merzkirchen. Links und rechts des Pfades fanden sich sattgrüne Felder. Von hier aus konnte man weit in alle Richtungen in den Saargau blicken. Hier kam ich auch mit zwei Pilgerinnen, einer rüstigen älteren Dame mit ihrer wesentlich jüngeren Begleiterin aus dem Bereich Eifel/Nürburgring, ins Gespräch. Aufgrund unterschiedlicher Rastgewohnheiten trennte sich unser gemeinsamer Weg aber schon bald wieder.


Von der Hochebene war ein Blick auf das Örtchen Mannebach möglich, wo es nach dem Bericht eines Kollegen einen vorzüglichen Brauereiausschank geben soll. Den Durst auf ein frisches Bier hätte ich schon gehabt, aber der lange Abstieg in die Tallage (und vor allem der anschließende Aufstieg) ließen mich dann auf meine Wasserflasche zurückgreifen. Irgendwann ging es hinunter in das Örtchen Fisch, wo ich mir bei einer älteren Anwohnerin die inzwischen leere Wasserflasche auffüllen ließ. Der Weg führte von dort aus weiter nach Körrig.


In und hinter Körrig gab es dann noch einmal einen brutalen Aufstieg auf die nächste Hochebene. Hier verlief dann ein elegant geschwungener Teerweg zielstrebig auf das Örtchen Merzkirchen zu. Wieder ergab sich eine eindrucksvolle Rundumsicht auf den Saargau. Kurz vor Merzkirchen waren dann, rechts voraus, erstmals die Kühltürme des Atomkraftwerkes Cattenom/F zu erkennen.  


In Merzkirchen suchte ich die Unterkunft "Die Herberge" auf. Die Betreiberin "Mary" begrüßte mich freundlich. Die Pilgerherberge war mit einer großen französischen Reisegruppe belegt und vollständig ausgebucht. Mary erlaubte mir, mein Zelt im Garten aufzuschlagen. Damit war ich natürlich sofort einverstanden, zumal sie mir die Nutzung der Dusche und auch die Teilnahme am gemeinschaftlichen Abendessen zusagte.


Also baute ich mein Zelt im Garten auf. Hier blies ein starker Wind und ich musste alle Zeltheringe zusätzlich mit Steinen beschweren, damit sie sich nicht aus dem Erdreich lösten. Anschließend gönnte ich mir eine erfrischende Dusche im Haus. Mary hatte lecker gekocht. Beim Abendessen lernte ich zwei Ehepaare aus Köln kennen, an deren Tisch ich saß. Mary's geschultem Blick entging nicht, dass wir Fünf nicht zu den religiös motivierten Pilger gehörten, und deckte uns den Abendtisch in ihrer Schankstube (mit Blick auf die Destille) ein.

Die französische Jugendgruppe mit ihrem Pfarrer (in Mönchsgewand) nahm derweil im Saal das Abendessen zu sich. Nach der Mahlzeit blieb ich mit den Kölnern noch ein wenig sitzen, um ein bischen zu klönen. Mary gesellte sich hinzu, nachdem es in der Herberge etwas ruhiger geworden war. Bei dem einen oder anderen Bier und der Verkostung verschiedener selbstgebrannter Schnäpse (darunter ein göttlicher Haselnußbrand) wurde es ein lustiger Abend.
Der jugendliche Harfespieler aus Trier war Mitglied der französischen Gruppe und gab auch an diesem Abend wieder einige Stücke auf seinem Instrument zum Besten, so dass für einen dezenten musikalischen Hintergrund gesorgt war.

Der gesamte Weg von Trier bis Merzkirchen war durch Muschelsymbole und gelbe Pfeile zweifelsfrei gekennzeichnet, so dass auf die Wegbeschreibung nur an vereinzelten Stellen zurückgegriffen werden musste.









Donnerstag, 2. Juni 2011

Reisetag am 02.06.2011 von Solingen nach Trier

Endlich war der Tag gekommen. Ich hatte schon eine ganze Zeit lang Urlaub. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich eine erholsame Woche auf einer Nordseeinsel verbracht. Das Wetter in den letzten Wochen war durchweg gut, zumindest extrem regenarm. Ausgerüstet mit dem Outdoor-Buch Band 211 (Jakobsweg Trier - Le Puy), den darin empfohlenen IGN-Landkarten (Metz-Verdun-Luxembourg und Nancy-Epinal), einem uralten Berlitz-Büchlein "Französisch für die Reise" (in dem noch über franz. Franc gesprochen wird) und jede Menge Optimismus sollte es losgehen.


Im Laufe des Vormittags habe ich meinen Rucksack gepackt. Sorgfältig hielt ich mich hierbei an eine Packliste, die ich mir nach und nach im Vorfeld zusammengestellt hatte. Letztendlich wog der Rucksack um die 14 Kg (incl. Leichtzelt, Schlafsack und Isomatte, die ebenfalls im Rucksack ihren Platz fanden). Danach ging es zum Solinger Hauptbahnhof, von dort mit dem IC nach Köln, nach kurzem Umstieg von dort weiter per IC  nach Trier. Die Fahrkarten hatte ich ja bereits vor Wochen als Sparangebot der DB für 29 € im Internet erworben. Bei der Fahrt durch das Rheintal bis Koblenz und insbesondere durch das Moseltal gewann ich ganz neue Eindrücke. Ich bin dort schon häufig gewesen, hatte aber als Autofahrer immer nur einen Blick für den Straßenverkehr. Das Moseltal mit seinen kleinen Örtchen ist wunderschön.

Um kurz vor 19:00 h war ich dann wieder in Trier. Dort war es sonnig und sehr warm. Schnell habe ich mein reserviertes Zimmer im Warsberger Hof bezogen, mich mit der Kamera bewaffnet und noch einen kleinen Stadtrundgang unternommen. Am Dom und an der Konstantinbasilika vorbei in die Gärten des kurfürstlichen Palais. Von dort durch einen Park, wo sich eine Vielzahl von Personengruppen niedergelassen hatten, um dort zu musizieren, zu balancieren oder einfach nur zum Grillen und Chillen.


Mein Spaziergang führte mich zu den Kaiserthermen, ein beeindruckendes Monument römische Baukunst. Durch die Grillgerüche aus dem Park meldete sich ein Hungergefühl bei mir. Ich ging wieder zurück in die Stadt, um ein kleines Abendessen zu mir zu nehmen. Danach schlenderte ich noch einmal durch die im Abendlicht liegende Fußgängerzone in Richtung Porta Nigra. Die Innenstadt hatte sich inzwischen deutlich geleert, die Tagestouristen waren offensichtlich abgereist.


Auf dem Platz an der Porta Nigra spielte ein spindeldürrer Jugendlicher mit Rastafrisur auf einer alten kleinen Harfe. Der junge Mann beherrschte sein Instrument perfekt und trug klassische Stücke ebenso gekonnt vor wie moderne Unterhaltungsmusik. Normalerweise zeige ich mich bei Straßenmusikanten wenig spendabel. Aber der Typ, das ausgefallen Musikinstrument und die daraus hervor gezauberte Musik waren mir an dem Abend einen kleinen Obulus wert.

Etwa gegen 22:00h kehrte ich zum Warsberger Hof zurück. In der angegliederten Gaststätte im Innenhof trank ich mir noch ein schönes Pils als Schlummertrunk und zog mich im Anschluss in meine kleines Dachzimmer zurück. Schließlich sollte es ja morgen zeitig losgehen.








Montag, 9. Mai 2011

Tag 12 am 09.05.2011 von Kordel nach Trier

Endlich war es so weit, ich hatte Urlaub. Seit Wochen war das Wetter schön und sommerlich warm. Wie ich mir vorgenommen hatte, fuhr ich heute nach Kordel, um meine letzte Eintagesetappe in Angriff zu nehmen, die ich ja eigentlich schon im letzten Jahr absolviert haben wollte. Es kommt halt immer anders als man denkt.


Den Wagen stellte ich ganz in der Nähe des Bahnhofs Kordel ab. Danach ging es erst einmal zunächst durch ein heideähnliches Gebiet, später dann durch den Wald kräftig bergauf. Hier wurde der Weg dann flacher und folgte in der Höhe einer Schleife des Kylltales. Beim Abstieg in Richtung Butzbachtal gab es den einen oder anderen tollen Blick auf die Burgruine Ramstein und die Felsformation "Geyerslay".


Danach erfolgte eine kleine Schleife durch das Butzbachtal. Ein wirklich lohnenswerter Umweg von vielleicht drei Kilometern. Das Butzbachtal ist ein völlig naturbelassenes Bachtal. Im frischen Frühlingsgrün wirkte es wie ein Urwald. Da es seit mehreren Wochen nicht mehr richtig geregnet hatte, führte der Butzbach allerdings nur sehr wenig Wasser. So kamen die zahlreichen kleinen Wasserfälle kaum zur Geltung.


Am Eingang des Butzbachtales steht ein Hinweisschild, dass dieser Streckenabschnitt nur mit gutem Schuhwerk und für trittsichere Menschen begehbar ist. Für Kinderwägen und Rollstühle ist er tabu. Dieses sollte sich Bewahrheiten. Der Butzbach muss mehrfach über zum Teil glitschige Steine oder Hängebrücken überquert werden. Teilweise geht es über Steintritte, Holzstufen und Lochbleche bergauf und an steilen Hängen entlang. Streckenweise ist der Pfad durch Quellwasser auch aufgeweicht. Aber der Weg ist unbedingt empfehlenswert. Ich würde ihn gerne noch einmal bei höherem Wasserstand des Baches begehen.

Hinter dem Butzbachtal führte der Weg zunächst steil (zum Teil über hölzerne Treppenstufen), später gemäßigt bergan. Nach passieren der "Putzlöcher", eine Förderstätte von Kupfererzen in der Römerzeit, erreichte ich die "Geyerslay", eine Felsformation aus Rotsandstein, die sich über dem Kylltal erhebt. Von hier oben gab es ein schönen Blick hinab ins Kylltal und auch auf die Burg Ramstein.


Weiter ging es dann steil bergab (wiederum über unregelmäßige Stufen) durch den Wald zur Klausenhöhle. Hierbei handelt es sich um eine zweistöckige Höhle im Rotsandstein, die bis in das 18. Jahrhundert hinein durch Eremiten bewohnt wurde. Im Bereich des Fensterloches sind verschiedene Fratzen und Gesichter in den Fels eingehauen, um böse Geister fern zu halten. Im weiteren Verlauf passierte ich dann noch die wesentlich größere Genovevahöhle, die bereits schon in der Jungsteinzeit genutzt wurde. Bei der Genovevahöhle handelt es sich eher um eine weit geöffnete Felskammer als um eine Höhle im herkömmlichen Sinne. Wer auch immer sie bewohnt hat, musste sehr wetterfest gewesen sein, da die weit geöffnete Felskammer nur wenig Schutz gegen Witterungseinflüsse bietet.


Nach passieren der Genovevahöhle führte mich der Weg ein letztes mal bergauf, bis zum Eifelkreuz, einem mächtigen Holzkreuz mitten im Wald. Ab dort verlief der Weg dann fast flach über gesplittete Waldfahrwege bis oberhalb von Biewer. Dort ging es dann geschätzte 100 Höhenmeter über unregelmäßige Treppenstufen bergab in den Ort. Für mein linkes Knie war diese Erfahrung äußerst grenzwertig, ging aber noch mal eben gut. Der Weg verlief hinter Biewer zunächst entlang der stark befahrenen Moseltalstraße. Unterhalb eines Weinbergs ergab sich die Möglichkeit, Straße und Bahngleise zu queren, um auf dem Moselradweg, direkt am Ufer der Mosel zu wechseln.


Ich überquerte die erste Moselbrücke im weiteren Wegverlauf und erreichte am frühen Nachmittag die Porta Nigra. Nachdem ich mir bei der Dom-Information meinen obligatorischen Pilgerstempel abgeholt hatte, genoß ich auf dem Marktplatz bei zwei Glas Bier die Sonne. Danach ging es zurück zum Bahnhof und wie gehabt mit der Bundesbahn zurück nach Kordel.

Insgesamt war es ein wunderschöner und warmer Tag, der mich auf den Steigstrecken auch heftig ins Schwitzen brachte. Landschaftlich ist diese Strecke (Eifelsteig) auf jeden Fall eine Wanderung wert.
Ich bin froh, dass ich meine Tagesetappen-Wanderungen jetzt hinter mir habe, zumal für die heutige An- und Abreise von/nach Solingen 5,5 Stunden Autofahrt anfielen.
Jetzt freue ich mich auf den 02.06.2011. Die Bahnfahrt und eine erste Übernachtung in Trier sind schon gebucht. Ab dem 03.Juni geht es dann für eine Woche am Stück in Richtung Toul.


Montag, 18. April 2011

Tag 11 am 18.04.2011 von Bitburg-Erdorf nach Kordel

Die letzten drei Wochen haben mich ganz schön geschafft. Mein Sohn absolvierte ein Praktikum in einer anderen Stadt. Da die Verkehrsverbindung recht ungünstig war, habe ich ihn täglich gefahren. Das hieß, jeden Morgen sehr früh Aufstehen und Nachmittags später nach Hause kommen,da ich auf meinem eigenen Arbeitsweg einen erheblichen Umweg fahren musste. Das Praktikum ist nun vorbei und das Wetter ist herrlich, deshalb habe ich mir einen Tag frei genommen, um meinen Weg fortzusetzen.


Um 08:15 h ging ich in Erdorf los. In schattigen Ecken lag immer noch ein Hauch Raureif, aber die Sonne hatte bereits Kraft und wärmte. Ich konnte direkt ohne Anorak und Jacke losgehen. Nach einer kurzen Wegstrecke blickte ich zurück in Richtung Erdorf. Überall war frisches Grün zu sehen und die Obstbäume entlang des Weges standen bereits in Blüte. In diesem Bereich ist der Weg als Lehrweg gestaltet. Entlang der Wegstrecke sind die unterschiedlichsten Apfel-, Birn-, Kirsch- und Pflaumenbäume gepflanzt und mit erklärenden Schildern versehen.


Der Weg verläuft in den ersten Kilometern immer etwas oberhalb der Kyll. Er gibt jedoch immer wieder schöne Blicke auf den teils langsam, teils schnell fließenden Fluß frei. Hier geht es auch einige male ein wenig bergauf und bergab, aber immer nur für sehr kurze Strecken.


Sehr bald erreichte ich Hüttingen, ein kleines aber feines Dorf. In diesem Gebiet haben einzelne Personen oder auch Vereine sogenannte "Bachpatenschaften" übernommen. Die zufließenden Bäche der Kyll werden also gezielt gepflegt und zum Beispiel von Müll freigehalten. Ein besonders schöner Bachlauf fließt als Dorfgraben durch Hüttingen. Direkt am Weg bildet er sogar einen etwa vier Meter tiefen Wasserfall mit schönen Pflanzenbewuchs. Ein tolles Bild.


Danach ging es weiter in Richtung Speicher. Die Wegstrecke hat sich hier schon mehr der Talsohle angenähert und verlief zum Teil entlang offener Weidenfläche oder durch jüngere Waldgebiete, die im satten Grün standen.


Ab Speicher folgte der Weg dann immer den zahlreichen Kurven und Windungen entlang der Kyll. Mittelerweile war es später Vormittag und es war ganz schön warm geworden. Meine 1,5 Liter Wasservorrat waren schon deutlich geschrumpft. Zum Glück verlief der Weg in diesem Streckenabschnitt durch kühle Wälder.


Über Kilometer ging es unmittelbar entlang der Kyll. Obwohl Osterferien waren, sind mir auf dem Radweg bislang vielleicht nur fünf oder sechs Radfahrer begegnet. So hatte ich die Natur nahezu für mich alleine. Über lange Strecken gab es schöne Auwiesen und ich malte mir aus, dass diese wie für eine Zeltnacht geschaffen seien.



Hinter Auw an der Kyll gab es dann immer weniger Waldstrecken und der Weg verlief in der prallen Mittagssonne. Meine Wasservorräte waren schon bald aufgebraucht. Immer den Windungen der Kyll folgend erreichte ich über den geteerten oder fein geschotterten Radweg dann Daufenbach. Direkt gegenüber des Bahnhofs gab es einen kleine Brunnen, an dem ich mir Arme und Kopf kühlte.
Dies sollte für heute eigentlich Endpunkt meiner Wanderung sein. Die Strecke und das Wetter haben mir aber heute solchen Spaß bereitet, dass ich mich spontan entschloss, noch die etwa 6 Kilometer bis nach Kordel weiter zu wandern.


Um kurz vor 15:00 h traf ich dann in Kordel ein. Direkt am Bahnhof gab es dort einen kleinen Biergarten mit freundlicher Bedienung. Hier gönnte ich mir zwei erfrischende Bitburger Pils, auf die ich mich zumindest in den heißen Nachmittagsstunden schon sehr gefreut hatte. Danach ging es mit dem Zug zurück nach Bitburg-Erdorf.

Die heutige Etappe dürfte 31- 32 Kilometer lang gewesen sein. Ich hatte meinen großen Rucksack samt Reisegepäck zu Testzwecken dabei. Dieser wiegt, mit kompletter Reiseaustattung, die allseits epfohlenen 13 Kilogramm (ohne Getränke). Offensichtlich habe ich die richtigen Rucksackeinstellungen gefunden, den er ließ sich unproblematisch über die gesamte Strecke tragen. Auch meine Füße und insbesondere die Knie scheinen sich mittlerweile an die Belastungen gewöhnt zu haben.

Der heutige Wegverlauf, die Landschaft und das sonnige Wetter trugen dazu bei, dass es ein sehr schöner und vor allem entspannender Tag wurde. Die nächste Tagesetappe habe ich für Anfang Mai geplant und freue mich schon riesig darauf, endlich Trier zu erreichen.

Dienstag, 15. März 2011

Tag 10 am 15.03.2011 von Birresborn nach Bitburg-Erdorf

Unerwartet musste ich am letzten Samstag in den Abendstunden zunächst Bereitschaftdienst versehen und wurde dann am darauf folgenden Sonntag alarmiert, um bis zum frühen Nachmittag meinen Dienst zu versehen.
Daraus ergaben sich natürlich wieder Überstunden, die ich heute bereits abfeiern konnte. Schnell war der Rucksack und die Wanderstiefel gepackt. Schon um 06:00h fuhr ich los in Richtung Birresborn.


Wieder einmal lag der Nebel dicht in den Tälern. In vereinzelten Ecken war links und rechts der Fahrbahn noch Raureif auszumachen. Teilweise war der Nebel so dicht, dass ich nur 30 Km/h fahren konnte. So nahm die Anreise nach Birresborn ziemlich genau zwei Stunden in Anspruch. Da mittlerweile die Sonne um 08:00h schon deutlich über dem Horizont stand, war aber in den Höhenlagen jetzt schon klar, es sollte ein schöner Tag werden.


Nachdem ich in Birresborn meinen Wagen in Bahnhofsnähe abgestellt hatte, ging es los. Zunächst aus Birresborn heraus, über die Kyll und am Friedhof entlang. Der Nebel hier hätte hier jedem Gruselfilm zur Ehre gereicht. Aber wenn man senkrecht nach oben schaute, war der blaue Himmel schon zu erahnen. Im Gegensatz zu den letzten Etappen war es nicht mehr so klirrend kalt aber dennoch unangenehm kühl. Immerhin zwitscherten heute überall die Vögel und so hielt ich mich zügigen Schrittes warm.



Nach etwa drei Kilometern erweiterte sich das Kylltal und das Dörfchen Mürlenbach kam in Sichtweite. Das Ortsbild wird von der mächtigen Bertradaburg dominiert, welche langsam durch den Nebel erkennbar wurde. Bis ich den Ortskern von Mürlenbach erreichte, hatte die Sonne die Nebelschwaden weitestgehend aufgelöst und es gab nicht eine Wolke am strahlend blauen Himmel.


Leider ging es dann zunächst linksseitig der Kyll weiter in Richtung Densborn. Der Weg verlief hier im Schatten eines nahezu undurchdringlichen Nadelwaldes. Dementsprechend war es noch immer unangenehm kühl.

Neidisch schaute ich hin und wieder auf den Gegenhang des Kylltales, der im prallen Sonnenlicht lag. In Höhe der Dörfchen Usch / Zendscheid wechselte ich dann die Talseite. Es war mittlerweile 10:45h. In der sonnigen Tallage wurde es mir bald zu warm. Ich zog den Anorak aus und krempelte die Hemsärmel auf.


Bald darauf erreichte ich St. Thomas, einem kleinen Ort der sich um ein ehemaliges Zisterzienserkloster gebildet hat. Die Klosteranlage wird heute als Exerzitienhaus genutzt. Zwischen Klostermauer und Kyll legte ich eine kurze Rast ein. 


Ab dort führt der immer geteerte Weg unmittelbar entlang der Kyll in Richtung Kyllburg. Kurz vor Kyllburg, am "Strenger Hals" führt der Rad-/Wanderweg dann gemeinsam mit der Eisenbahnstrecke durch den 180m langen Dechentunnel. Eigentlich war der dieser Weg zum Zeitpunkt meiner Wanderung aufgrund von Hangsicherungsarbeiten auf Kyllburger Seite gesperrt. Da es gerade Mittagszeit war, vertraute ich darauf, dass die Arbeiter auf der anderen Seite gerade Pause machten.
Tatsächlich habe ich es auch so angetroffen. Nach einem zunächst mürrischen Hinweis auf die Wegsperrung ergab sich dann doch noch ein kurzes, nettes Gespräch.


Von Kyllburg selbst war ich ein wenig enttäuscht. Ich hatte mir eigentlich einen größeren Ort, ähnlich Gerolstein, vorgestellt. Erlebt habe ich einen Ort, der sich entlang einiger weniger Straßen bergwärts erstreckt.

Laut Beschreibung des Rad-/Wanderweges, soll sich die einzige nennenswerte Steigung hinter Kyllburg befinden. Tatsächlich steigt hier der Weg im Verlauf einer stadtauswärts führenden Straße auf knapp zwei Kilometern um geschätzte gut zweihundert Höhenmeter an. Ich möchte den Freizeitradler sehen, der diese Steigung ohne Abzusteigen bewältigt. Auf dem Höhenzug angekommen, bietet eine Schutzhütte mit Bänken an der "Wilsecker Linde" eine gute Stelle zur Rast. Mit Blick in Richtung Trier erscheint hier die Eifel eher als wellige Hochfläche.


Ab der "Wilsecker Linde" führt der Weg dann entlang einer kaum befahrenen Kreisstraße bis nach Bitburg-Erdorf. Diese führt dann unterhalb der mächtigen Kylltal-Autobahnbrücke der BAB A60 hindurch. In Bitburg-Erdorf selbst, war "der Hund begraben". Keinerlei Geschäfte, weder Pfarrer noch Gemeindemitarbeiter vor Ort, keine Polizeidienststelle, kein öffentliches Amt. Erstmals habe ich mir den Pilgerpaß-Stempel in einem Gasthaus holen müssen, welches aber auch erst um 16:00h öffnete. Die Wartezeit habe ich auf einer gepflegten, sonnigen Bank in Bahnhofsnähe verbacht.

Die Rückfahrt funktionierte ohne Probleme. Es gab sogar einen DB-Fahrkartenautomaten (der hier allerdings nur max. 10 Euroscheine annahm). Die Autobahn war frei und gegen 19:10h war ich wieder zu Hause in Solingen. Es war ein wirklich schöner Tag. Ich habe die ersten Schmetterlinge im Jahr 2011 gesehen. Und in den zum Teil sumpfigen Kylltalauen quakten die Frösche/Kröten, was das Zeug hielt. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Etappe, wenn es vielleicht schon etwas grüner ist.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Tag 9 am 23.02.2011 von Lissendorf nach Birresborn

Ich habe eine Woche Resturlaub. Am Wochenende sowie am Montag und Dienstag war es kalt aber schön. Ich habe Zeit und Gelegenheit gefunden, mich um wenigstens um einen Teil der liegen gebliebenen Gartenarbeit aus dem Vorjahr zu kümmern. Leider verhieß der Wetterbericht nichts gutes. Nur noch heute sollte es schön bleiben, schon in der Nacht zu Donnerstag sollten Schneefälle aufkommen, die anschließend in Regen übergehen sollten. Die unbeständige Witterung soll den Rest der Woche anhalten, dafür solle es aber deutlich wärmer werden.

Also musste die Zeit genutzt werden. Ab mit dem Auto nach Lissendorf bzw. nach Birgel, welches auf der anderen Seite der Kyll liegt. Den Wagen auf dem Parkplatz einer historischen Wassermühle geparkt, die Wanderschuhe an und schon ging es los.


Wieder einmal war es ein kalter Morgen. Im Gegensatz zum letzten mal herrschte eine hochnebelartige Bewölkung, die kaum von der Sonne durchdrungen wurde. Alles lag grau in grau. Der gut ausgebaute Weg führte zunächst durch einsame Felder und Äcker, später dann durch ein Waldgebiet. Der Kylltalweg orientiert sich hier immer an einer schwach befahrenen Kreisstrasse, ist aber in der Regel einige zig Meter von ihr entfernt.


Dann ging es durch weite, wellige Agrarflächen. Ich war ein wenig überrascht über die Weite des Kylltales. So erreichte ich die verschlafenen Örtchen Bolsdorf und Dohm, wo ich wieder unmittelbar an die Kyll gelangte. Hier und da erkennt man man freistehende Hügel bei denen es sich um die Kegel ehemaliger Vulkane handelt.


Weiter verlief der Weg dann nach Bewingen, dem nördlichsten Ortsteil von Gerolstein, am Fuße eines solchen Vulkankegels. Am Wegrand liegt eine Tränke, die im Sommer wohl für eine willkommene Erfrischung sorgt. In Anbetracht der Eisbildung an der Tränkanlage war ich froh über die Thermosflasche mit heißem Tee, die ich mir vorsichtshalber (war auch gut so) mitgenommen hatte.
Hier ab Bewingen verengt sich das Kylltal plötzlich. Nur die Kyll, und die Eisenbahnstrecke passen durch das enge Tal. Der Weg führt einige Meter oberhalb des Talgrundes durch ein Waldgebiet, immer am Hang des ehemaligen Vulkankegels entlang.


Sobald man den Wald verlässt liegt rechter Hand ein wilder Wiesenhang mit vereinzelten Sträuchern und Bäumen. Vermutlich wurde hier der Wald vor Jahrhunderten gerodet.
Geht man einige Meter weiter und blickt zurück, erkennt man oberhalb des Waldes / der Rodung die Ruine der Burganlage Kasselburg aus dem 13. Jahrhundert. Heute befindet sich in und an der Kasselburg eine Greifvogelwarte und ein Wolfsfreigehege.
Im weiteren verläuft der Weg dann oberhalb des Städtchens Gerolstein entlang, bis er in der Nähe des Bahnhofs ins Stadtzentrum führt.
Mittlerweile war es fast Mittag, der graue Hochnebel hatte sich verzogen und es war deutlich wärmer geworden.


Oberhalb Gerolsteins findet sich ein Wahrzeichen der Stadt, die Gerolsteiner Dolomiten. Hierbei handelt es sich um einen (im Bild der "Munterley")  bzw.mehre Kalkfelsen, die mächtig oberhalb der Stadt liegen. Zum Teil sind diese Kalkriffe für den Klettersport freigegeben.


Am Ortsausgang von Gerolstein durchquerte ich dann eine kleine Parkanlage. Hier wird die Kyll durch einen Wehr gestaut.
Im angestauten Bereich der Kyll ergab sich ein tolles Spiegelbild der Erlöserkirche.
Ab hier geht es dann entlang der Eisenbahntrasse, was aber nicht weiter stört, da diese nur zweimal stündlich in jede Richtung befahren wird.
Die letzten vier Kilometer bis Birresborn sind dann allerdings weniger schön. Immer entlang einer Landstraße, der Weg durch eine Leitplanke von der Fahrbahn getrennt.
Die Landstraße ist zwar relativ wenig befahren, dafür sind die Fahrzeuge allerdings mit einer Geschwindigkeit unterwegs, dass man sich schon über die Existenz der Leitplanken freut.


In Birresborn angekommen suchte ich das Pfarramt der Kirche St. Nikolaus auf. Hier traf ich auf den Pfarrer persönlich, einen freundlichen Zeitgenossen. Nach einem Gespräch über die zahlreichen möglichen Routen der Jakobswege in der Eifel drückte er mir den Pfarrstempel in den Pilgerpass und wünschte mir einen guten Weg.

Aufgrund der bestehenden Zustiegsmöglichkeit in den Eifelexpress sollte hier auch dann für heute Schluss meiner Wanderung sein. Über eine schöne alte Brücke überquerte ich die Kyll und begab mich zum Bahnhof. Von dort ging es dann mit dem Zug zurück nach Lissendorf.

Der gesamte Weg verlief über geteerte Feld-, Wald- und Wiesenwege. Er berührte nur wenige kleine Dörfer. Obwohl er sich an der Vekehrsachse Kylltal orientiert, war ich alleine mit mir und der Welt.
Diese Etappe war gut zu bewältigen. Lediglich die letzten Kilometer vor Birresborn waren, entlang der Landstraße, weniger schön. Die Heimreise gestaltete sich, wie die Hinfahrt, problemlos.
Problemlos hat auch mein Körper diese Etappe überstanden.